„Bildung ist ohne Kunst und Kultur nicht denkbar“

„Kulturelle Bildung – das ist Persönlichkeitsentwicklung durch Kunst und Kultur. Sie stärkt unsere Identität. Und verleiht uns eine Stimme, lässt uns Fähigkeiten entdecken und gibt uns die Möglichkeit, unser Lebensgefühl auszudrücken. Kunst und Kultur erweitern unseren Horizont, inspirieren uns dazu, Stellung zu beziehen, eine eigene Meinung zu entwickeln, und neue Perspektiven und Interessen zu entdecken."

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) e. V. 2019: Kulturelle Bildung – Was ist das? https://www.bkj.de/inklusion/wissensbasis/beitrag/kulturelle-bildung-was-ist-das/ [26.04.2021]

Kulturelle Bildung und ihre gesellschaftspolitische Relevanz

Kulturelle Bildung ist integraler Bestandteil einer als lebenslanger Prozess verstandenen Bildung, die sowohl der Entfaltung der Persönlichkeit als auch deren Einbindung in gesellschaftliche Bedingungen dient. So formulierte der Deutsche Städtetag in seinem Positionspapier zur kulturellen Bildung am 19.02.19: „Bildung ist ohne Kunst und Kultur nicht denkbar, wie auch Kunst und Kultur (…) ein breites Maß an Bildung voraussetzen.“[1] Vielfältige Angebote und Orte kultureller Bildung in den Kreisen, Städten und Gemeinden leisten einen Beitrag dazu, unterschiedlichen Zielgruppen den Zugang zu kultureller Bildung in formalen, aber auch in non-formalen und informellen Bildungs- und Lernsettings zu ermöglichen.

Die Aufmerksamkeit, die kultureller Bildung innerhalb bildungspolitischer Debatten zukommt, hat sich im Laufe der letzten Jahre noch einmal deutlich verstärkt. Denn obwohl kulturelle Bildung im Gegensatz zu anderen Bereichen und Konzepten, wie der politischen Bildung oder der Bildung für nachhaltige Entwicklung, keine konkreten gesamtgesellschaftlichen Ziele verfolgt, wird ihr bei der Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Herausforderungen eine Schlüsselposition zugeschrieben. Grund dafür ist der ihr zugrundeliegende subjektorientierte und subjektstärkende Ansatz. Denn um den vielfältigen Bildungsaufgaben zu begegnen, die im Zuge aktueller gesellschaftlicher Transformationsprozesse entstehen, sind die Bildungsprinzipien kultureller Bildung, wie Persönlichkeitsentwicklung, Selbstbildung, Perspektivwechsel, emanzipatorisches Denken oder Lebensweltorientiertheit zentral.[2] „In einem modernen Konzept kultureller Bildung steckt die ästhetische Grundfrage: Wie wollen wir als Menschen im 21. Jh. zusammen leben, wie wollen wir unsere Kultur(en) gestalten und welche Aufgabe kommt dem einzelnen Subjekt dabei zu?“[3]

Kulturelle Bildung in politischen Programmen und Initiativen

Die Relevanz, die der kulturellen Bildung damit zugeschrieben wird, schlägt sich nieder in Programmen und Initiativen zur Förderung kultureller Bildung auf Bundes- und Länderebene (z.B. „Kultur macht stark“, „Kulturrucksack“) auf Ebene der Kommunen, aber auch durch Stiftungen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Institutionen. So hat auch die Landesregierung NRW schon seit einigen Jahren den Ausbau der kulturellen Bildung zu einem zentralen Handlungsfeld ihrer Bildungs-, Jugend- und Kulturpolitik gemacht.

Grundlegend für die Weiterentwicklung der kulturellen Bildung in allen Ländern ist die Empfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK) zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung, in der auf die Förderung von Persönlichkeitsbildung, Selbstverwirklichung und -entfaltung von Kindern und Jugendlichen durch kulturelle Bildung verwiesen wird.

Konkrete Ziele in sind in Anlehnung an den Deutschen Städtetag u.a.:

  • die Vermittlung elementarer Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Tanzen, Musizieren) aber auch kreativer Gestaltungsverfahren;
  • die Kompetenz zur reflektierten Mediennutzung;
  • die Förderung differenzierter Wahrnehmung und Schulung des Beurteilungsvermögens für ästhetische Fragen und differenzierter Wahrnehmung der Welt;
  • die Förderung von interkultureller Kompetenz durch Auseinandersetzung mit Gemein-samkeiten und Unterschieden, mit dem Fremden und Anderssein.[4]

Kulturelle Bildung als Teil der kommunalen Bildungsinfrastruktur

Kulturelle Bildung hat also Konjunktur und ist wesentlicher Teil der kommunalen Bildungsinfrastruktur. Sie ist gekennzeichnet durch eine große Vielzahl an und Vielfalt von Projekten, Akteur*innen und Institutionen und fällt in die Zuständigkeit verschiedener Politikfelder: Bildungs- und Schulpolitik, Jugend- und Sozialpolitik und der Kulturpolitik.

Was bedeutet dies für die kommunale Ebene? Bildung ist in den letzten 10 Jahren – über die Bereitstellung von Infrastruktur hinaus – immer mehr zu einem zentralen bzw. strategischen Handlungsfeld der Städte, Kreise und Gemeinden im Kontext kommunaler Entwicklung vor Ort geworden. Es geht zum einen darum, bereits vorhandene Strukturen und Angebote der kulturellen Bildung innerhalb der Bildungslandschaft sichtbar zu machen und zu vernetzen. Zum anderen Angebote der kulturellen Bildung strategisch zu bündeln und nachhaltig weiterzuentwickeln. Darüber hinaus gilt für die kulturelle Bildung, wie allgemein für Bildung, dass Zugänge und die Wahrnehmung von Angeboten eng an Herkunft und sozialen Status gekoppelt sind. Es muss also auch hier darum gehen, Teilhabe zu fördern und die Chancengerechtigkeit insbesondere für Kinder- und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, im Rahmen einer „Kultur für alle“ in den Blick zu nehmen.

Diese Koordinationsfunktion zu übernehmen obliegt in den Kommunen oftmals den Regionalen Bildungsbüros. In Anlehnung daran entwickeln in NRW immer mehr Kreise und kreisfreie Städte kommunale Gesamtkonzepte oder kulturelle Bildungsnetzwerke, um die kulturelle Bildung vor Ort voran zu bringen.[5]

Arbeitsstelle "Kulturelle Bildung NRW

Zentraler Partner bei der Umsetzung der kulturellen Bildung in Nordrhein-Westfalen ist die Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung NRW“, die eine gemeinsame Einrichtung des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW, des Ministeriums für Schule und Bildung NRW, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW, sowie der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW ist.

Deutscher Städtetag Positionspapier

www.staedtetag.de/popa-bildung-und-kultur-juni-2019.pdf
 

Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung

www.kmk.org/Empfehlung-Kulturelle_Bildung.pdf

 


[1] Deutscher Städtetag (2019): Bildung und Kultur in der Stadt. Positionspapier des Deutschen Städtetages zur kulturellen Bildung, S. 4

[2] Keuchel, S./ Werker, B. (2020): Gesellschaftspolitische Dimensionen der Kulturellen Bildung, S. 9

[3] Universität Hildesheim (o.D.): Grundbegriffe der Kulturellen Bildung. Resümee. https://www.uni-hildesheim.de/kulturpraxis/grundbegriffe-der-kulturellen-bildung-resuemee-2/ [26.04.2021]

[4] Deutscher Städtetag (2019): Bildung und Kultur in der Stadt. Positionspapier des Deutschen Städtetages zur kulturellen Bildung, S. 7f.

[5] Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW (2020): Themenheft. Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung. Kulturelle Bildung braucht Vernetzung, S. 9