Digitalisierung



Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und damit auch die kommunalen Themenfelder wie Arbeit, Bildung, Mobilität und viele weitere. Die Idee einer digitalen und vernetzten Kommune der Zukunft geht dabei weit über e-Government oder den Breitbandausbau hinaus und betrifft alle Aufgaben der kommunalen Verwaltung und Daseinsfürsorge. Dies bedeutet, dass integrierte digitale Strategien entwickelt werden müssen, die nicht nur die technische Infrastruktur in den Blick nehmen. Das eröffnet neue Chancen auf innovative Lösungen, aber auch Risiken. Städte, Gemeinden und Kreise stehen damit vor großen Herausforderungen in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern, vor allem auch in der Bildung.

Wie können die Chancen der neuen Technologien zum Wohle der Menschen genutzt werden? Welche Risiken gibt es? Wie können Kommunen auf den digitalen Wandel reagieren und ihn zu ihrem Vorteil nutzen? Und vor allem, was bedeutet die Digitalisierung für ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement und für die Verbesserung von Bildungs- und Teilhabechancen?

Die meisten Kommunen befassen sich bereits intensiv mit dem Thema Digitalisierung im Bildungsbereich und erarbeiten kommunale (Gesamt-)Strategien. Eine Studie der Universität Paderborn zeigt, dass „Digitalisierung im Bildungskontext von den kommunalen Mitarbeitenden zuvorderst als Frage der Ausstattung kommunaler Bildungseinrichtungen mit IT-Technologie und -Infrastruktur interpretiert wird.“[1] Doch die IT-Technologien sind lediglich ein erster Schritt und der Ausbau von Breitband bietet die nötigen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus braucht es Konzepte und Strategien, welche Ziele mit der Digitalisierung realisiert werden sollen.

Querschnittsthema Digitalisierung

Für Kommunen ist das Thema Digitalisierung (nicht nur) im Bildungsbereich deshalb ein Querschnittsthema, das nur kooperativ und partizipativ gelöst werden kann. Ämter- und bereichsübergreifende Koordinations- und Kooperationsstrukturen, aber auch die Kooperation von Kommunen, dem Land NRW sowie dem Bund, gewinnen an Bedeutung, da die Aufgaben im Digitalisierungsprozess oft über die Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der kommunalen Mitarbeitenden hinausreichen.[2] Digitale Technologien wie e-Government, Monitoring-Tools oder digitale Bürgerbeteiligungsplattformen werden bereits genutzt. Die neuen Technologien eröffnen Chancen auf innovative Lösungen wie individualisierte Lernumgebungen, Open Educational Ressources, neue Vernetzungsmöglichkeiten und vieles mehr. Sie bergen aber auch Risiken wie die Sammlung von großen individualisierten Datenmengen, eine unüberschaubare Informationsflut, ständige Erreichbarkeit etc.

Um diese Chancen und Risiken abwägen zu können, werden verschiedene (neue) Fähigkeiten benötigt: beispielsweise ein Verständnis davon, wie Algorithmen arbeiten, Kenntnisse darüber, wie Hard- und Software funktionieren, aber auch wie digitale Medien reflektiert und zielführend eingesetzt werden können. Diese Kompetenzen von Jung bis Alt zu vermitteln, stellt das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Di­gitale Souveränität und Mündigkeit müssen nicht nur in der Schule, sondern auch von außerschulischen Bildungseinrichtungen sowie in der betrieblichen und Erwachsenen Weiterbildung gelehrt und gelernt werden.

Für die Gestaltung von Bildungslandschaften bedeutet die sich schnell wandelnde digitale Welt eine große Aufgabe, die nur gemeinsam mit Akteuren aus der Kommune, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft gemeistert werden kann. Dem kommunalen Bildungsmanagement und -monitoring kommt damit im Prozess der Digitalisierung eine zentrale Rolle zu. Die Akteure des kommunalen Bildungsmanagements können Rahmenbedingungen für eine offene Zusammenarbeit schaffen, Kooperationen organisieren und moderieren sowie Angebote aufeinander abstimmen und Bildungsakteure im Digitalisierungsprozess unterstützen. Hierbei ist es wichtig, verschiedene kommunale Gestaltungs- und Handlungsfelder vernetzt zu denken. Damit dies gelingt, benötigen kommunale Bildungsmanager*innen Freiräume, um Neues auszuprobieren und zu experimentieren, aber auch um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. All das benötigt aber auch die richtigen Rahmenbedingungen wie aktuelle Hard- und Softwarelösungen, eine gute digitale Infrastruktur, Administration sowie sowohl individuelle als auch organisationale digitale Kompetenzen. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, müssen Kommunen Gestalter des digitalen Wandels werden und eine Gesamtstrategie entwickeln, in der das Thema Bildung eine wichtige Rolle spielt.

Digitalisierung und DKBM

Kommunen, in denen es bereits ein ressortübergreifendes und abgestimmtes Bildungsmanagement gibt, können die aufgebauten Strukturen und Arbeitsweisen nutzen, um den Veränderungsprozess, der im Bildungsbereich mit der zunehmenden Digitalisierung einhergeht, zu gestalten. Es geht darum, die beteiligten Akteure in der Kommune miteinander ins Gespräch zu bringen, die Kommunikation zu moderieren und ein abgestimmtes Vorgehen zu unterstützen.

Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben hier insbesondere drei Strategien gewählt, den Herausforderungen zu begegnen:

Anregungen für den öffentlichen Diskurs – Bildungskonferenzen, Fachtage und Workshops zum Themenfeld Digitalisierungen mit der Zielsetzung, den öffentlichen Diskurs anzuregen, Themen aufzugreifen und gute Beispiele in der Region sichtbar zu machen. „Digitalisierung und Bildung in den NRW-Kommunen“

Entwicklung einer Gesamtstrategie und Koordinierung der Prozesse – Digitalisierung als Handlungsfeld für das Kommunale Bildungsmanagement in und mit den Gremien abstimmen, mit dem Ziel, ein gemeinsames strategisches Vorgehen partizipativ zu planen und umzusetzen. Beispiele:

Kreis Minden-Lübbecke (Charta der Digitalisierung)

Kreis Coesfeld (Orientierungsrahmen Lernen im digitalen Wandel)

Aufbau von Vernetzungs- und Unterstützungsstrukturen für die Akteure vor Ort – Förderung und Initiierung von Projekten mit Bildungsakteuren in der Region unter Einbezug bestehender Strukturen und zivilgesellschaftlicher Partner. Beispiele:

Kreis Paderborn (Delbrücker und Hövelhofer Schulen digital)

Kreis Gütersloh (Projekt Schule und digitale Bildung)


[1] TRANSFERkompass, September 2019, Daniel Hagemeier, S. 12.

[2] Vgl. TRANSFERkompass, September 2019, Daniel Hagemeier, S. 13.