„Kommunalverwaltungen haben viele Möglichkeiten, die Türen für die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen zu öffnen.“

Ein Interview mit Brigitte Schorn, Leiterin der Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung NRW“

Die Aufmerksamkeit, die kultureller Bildung innerhalb bildungspolitischer Debatten zukommt, hat sich im Laufe der letzten Jahre deutlich verstärkt. Die Kommune als Gestalterin von Bildung vor Ort nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Auch mit der in 2022 angelaufenen Förderrichtlinie „Bildungskommunen“, durch die Kreise und kreisfreie Städte bei der Stärkung ihres Bildungsmanagements unterstützt werden sollen, wird die Entwicklung bestärkt. Kulturelle Bildung ist hier als eines von insgesamt sechs möglichen Schwerpunktthemen aufgenommen worden.

Die Arbeitsstelle “Kulturelle Bildung NRW“ berät, begleitet und unterstützt Kommunen dabei, kulturelle Bildung stärker in der Kommune zu verankern. Brigitte Schorn, Leiterin der Arbeitsstelle, hat uns Fragen zur Funktion und Rolle von kultureller Bildung in der Kommune beantwortet. 
 

Welchen Wert messen Sie kultureller Bildung für die Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen, beispielsweise im Umgang mit den Auswirkungen der Corona-Krise, zu?

Um sich in einer vernetzten, digitalisierten, von Veränderung, Unsicherheiten und Widersprüchen geprägten Welt zu einer souveränen, resilienten und starken Persönlichkeit zu entwickeln, brauchen Kinder und Jugendliche eine gute, breit aufgestellte Bildung. Sie brauchen Menschen, die sie begeistern für die Fähigkeiten, die sie in Zukunft verstärkt benötigen werden. Das gemeinsame Tun, das aktive, künstlerisch-kreative Gestalten im Theater, Film Tanz, in der Bildendenden Kunst etc. stärkt kreatives Denken und das Denken in Möglichkeiten, fordert und fördert soziales Fingerspitzengefühl auch für schwierige Situationen, weckt Intuition, Empathie und Gestaltungskraft. Kulturelle Bildung ist nur ein Teil umfassender Bildung, aber sie ist ein wesentlicher!
 

Warum sind Kommunalverwaltungen wichtige Akteurinnen für die Förderung und Gestaltung kultureller Bildungsangebote und welche Rolle spielen dabei kommunale Gesamtkonzepte?

Bildung findet vor Ort statt. Dort, wo junge Menschen leben und aufwachsen: In den Kommunen. Kommunalverwaltungen haben viele Möglichkeiten, die Türen für die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen zu öffnen. Zugänge zu Kultureinrichtungen zu erleichtern, Kulturschaffende für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu begeistern (und zu bezahlen!), Kitas und Schulen in der Kooperation mit außerschulischen Kulturpartnern zu unterstützen: All das sind Aufgaben, für die Kommunalverwaltungen den Rahmen setzen. Kommunen, die ein kommunales Gesamtkonzept für kulturelle Bildung entwickeln, bearbeiten diese Aufgabe systematisch und überlassen die Zugänge zu guter Bildung nicht dem Zufall oder dem Elternhaus.
 

Welchen Herausforderungen begegnen Akteur*innen kultureller Bildung in den Kommunen Ihrer Erfahrung nach besonders häufig, wenn es um den Ausbau von Vernetzungsstrukturen vor Ort geht und welche Anregungen haben Sie für die Beteiligten?

Einrichtungen in freier Trägerschaft, die Freie Szene und andere nicht kommunale Akteure werden von der Kommunalverwaltung nicht immer selbstverständlich in die Entwicklung von Gesamtkonzepten einbezogen. Hier braucht es viel Eigeninitiative, um Teil des Netzwerks für kulturelle Bildung zu werden. Dies gilt nicht zuletzt auch für die jeweiligen Zielgruppen selbst und die partizipative Einbindung ihrer Perspektiven.

Wichtig ist, von Beginn an ressortübergreifend zu arbeiten! Bewährt haben sich Arbeitsgruppen, in denen die Bereiche Kultur, Jugend und Bildung – oft auch Soziales/Integration – zusammenarbeiten. Die aktuelle Situation vor Ort bildet den Ausgangspunkt, von dem ausgehend eine Idee davon entwickelt wird, wie es in Zukunft sein sollte. Diese Vision wiederum wird in Ziele und konkrete Umsetzungsstrategien übersetzt. Und bitte nicht aufhören, wenn es kompliziert oder schwierig wird! Veränderungen, die die Themen Diversität, Digitalisierung, Spaltung der Gesellschaft ernst nehmen, brauchen Zeit! Dabei kann und darf es auch zu Konflikten kommen. Eine externe Moderation dieser Prozesse und Qualifizierungen ist hilfreich.

www.kulturellebildung-nrw.de