Digitalisierung der Schulen im Kreis Paderborn. Interview mit Carolin Wahl-Knoop

Carolin Wahl-Knoop, Geschäftsführerin des Bildungsbüros im Kreis Paderborn

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Wie bringen Sie die Digitalisierung an den Schulen im Kreis Paderborn voran?

In der Bildungs- und Integrationsregion Kreis Paderborn haben sich verschiedene Akteure zusammengefunden, um gemeinsam das Thema Digitalisierung an Schulen anzugehen. Konkret bedeutet dies, dass sich die Grundschulen in Delbrück und Hövelhof zusammen mit ihren Schulträgern gemeldet haben und um Unterstützung bei der nachhaltigen Einführung der Digitalisierung an ihren Schulen gebeten haben. So haben sich im Rahmen von Kooperationsprojekten die Schulaufsicht, das Kompetenzteam, der Schulträger und das Bildungs- und Integrationszentrum mit allen Grundschulen in Delbrück und Hövelhof auf den Weg gemacht. Jeder trägt im Rahmen seiner Zuständigkeit zum Gelingen bei.

Es wird das Ziel verfolgt, dass alle Grundschulen in Delbrück und Hövelhof innerhalb von vier Schuljahren das Medienkonzept in die schuleigenen Arbeitspläne einarbeiten. Hierbei werden die Grundschulen von den Partnern in verschiedenen Bereichen  – den sogenannten Säulen – unterstützt. Die Kooperationsprojekte in Delbrück und Hövelhof umfassen vier von diesen Säulen, die von den verschiedenen Partnern verantwortet werden und eng miteinander verzahnt sind:

  • lernförderliche IT-Ausstattung und -Umgebung (Schulträger in Delbrück und Hövelhof)  
  • Steuerung der Schulentwicklung (Schulaufsicht im Schulamt für den Kreis Paderborn)
  • Fortbildungen zur Unterrichtsentwicklung (Kompetenzteam)
  • Prozessberatung (Bildungs- und Integrationszentrum)


Wie arbeiten bei Ihnen die mit der Digitalisierung befassten Akteure (z.B. Bildungsbüro, Medienberatung, Kompetenzteam, kreisangehörige Kommunen) zusammen?

Im Rahmen der Kooperationsprojekte haben sich die Partner zu folgenden Leistungen vereinbart:

Leistungen der Schulträger in Delbrück und Hövelhof:

  • Die Schulträger sorgen für die lernförderliche IT-Ausstattung und -Umgebung der Grundschulen in Delbrück und Hövelhof.
  • Sie sorgen für den technischen Support  für die Grundschulen.
  • Sie stellen begleitend zur Hardware-Beschaffung Einführungsschulungen für die Hardware für Lehrkräfte zur Verfügung.

Leistungen der Schulaufsicht im Schulamt für den Kreis Paderborn:

  • Die Schulaufsicht übernimmt die Steuerungsverantwortung für die Projekte im Rahmen ihrer Fachaufsicht für die Schulentwicklung der Grundschulen in Delbrück und Hövelhof.  
  • Sie greift in den jährlichen Bilanzgesprächen den Entwicklungsschwerpunkt „Digitale Schul- und Unterrichtsentwicklung" auf.

Leistungen des Kompetenzteams:

  • Das Kompetenzteam übernimmt die Verantwortung und Durchführung für die Basisschulungen und Fortbildungen zur Unterrichtsentwicklung der Grundschulen in Delbrück und Hövelhof. Die Fortbildungen zur Unterrichtsentwicklung finden analog zum Format der „Korrespondenzschule“ statt.

Leistungen des Bildungs- und Integrationszentrums:

  • Das Bildungs- und Integrationszentrum stellt die Prozessberatung für die Grundschulen in Delbrück und Hövelhof zur Verfügung.
  • Die Prozessberatung erarbeitet mit den Grundschulen im Rahmen der Projekte SMARTE Ziele  und deren Indikatoren.
  • Das Bildungs- und Integrationszentrum organisiert und begleitet die Austauschtermine (hierzu gehören nach Bedarf fachlicher Input und Termine zur Abstimmung und Planung des weiteren Vorgehens).

Leistungen der Grundschulen in Delbrück und Hövelhof:

  • Die Grundschulen nehmen verbindlich an den Schulungen und Fortbildungen teil.
  • Sie erarbeiten mit der Prozessberatung SMARTE Ziele und deren Indikatoren.
  • Sie verpflichten sich, die „Digitale Schul- und Unterrichtsentwicklung" mit dem Ziel „Das Medienkonzept in die schuleigenen Arbeitspläne innerhalb von vier Jahren einzuarbeiten" in die Ziele der Zielvereinbarung mit der zuständigen Schulaufsicht aufzunehmen, die festgelegten Teilziele im Dokumentationsraster Zielvereinbarung zum Projekt „Delbrücker Grundschulen digital“ festzuhalten sowie im Rahmen der anstehenden Bilanzgespräche den jeweiligen Entwicklungsstand zu evaluieren.
  • Im Rahmen der abschließenden Evaluation tragen sie anhand der eigenen Indikatoren der Zielerreichung zur Kriterienentwicklung bei und stellen sich in ihrem erreichten Entwicklungsziel der Evaluation.


Was sind die Schwerpunkte in der Zusammenarbeit? Welche Rolle nimmt das Bildungsbüro ein?

Schwerpunkt der Kooperationsprojekte ist die pädagogische Arbeit der Lehrkräfte in allen Grundschulen in Delbrück und Hövelhof, also die nachhaltige pädagogischen Arbeit mit den digitalen Medien in den Grundschulen in Delbrück und Hövelhof. Dies wird auch mit dem vereinbarten Ziel, das Medienkonzept in die schuleigenen Arbeitspläne einzuarbeiten, unterstrichen und betont.


Welche Unterstützung erhalten die Schulen (z.B. Finanzierung, Ausstattung, Fortbildung)?

Die Grundschulen in Delbrück und Hövelhof erhalten vielfältige Unterstützungsangebote:

  • durch den Schulträger nach Absprache    lernförderliche IT-Ausstattung und -Umgebung
  • durch das Kompetenzteam Basisschulungen und Fortbildungen zur Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien
  • durch das Bildungs- und Integrationszentrum Prozessberatung zur Schulentwicklung und nach Bedarf Veranstaltungen mit fachlichem Input


Mit welchen Kommunen arbeiten Sie aktuell zusammen? Welche kommen vielleicht in den nächsten Monaten noch hinzu?

Aktuell werden alle Grundschulen in den Kommunen Delbrück und Hövelhof beim Thema Digitalisierung durch die Kooperationsprojekte unterstützt. Auf Anfrage können auch weitere Kommunen mit ihren Schulen teilnehmen.


Welche Erfahrungen waren für Sie als Geschäftsführerin des Bildungsbüros im bisherigen Projektverlauf besonders eindrucksvoll?

Zwei Aspekte haben sich im Verlauf der Kooperationsprojekte in Delbrück und Hövelhof als besonders beachtenswert – auch im Hinblick auf andere Themen und Projekte – herausgestellt. Zum einen ist zu beachten, dass die Voraussetzungen der einzelnen Grundschulen sehr unterschiedlich sind. Zwar haben alle die gemeinsame Herausforderung der Digitalisierung an ihren Grundschulen mit der Formulierung eines gemeinsamen Zieles angenommen, sie starten jedoch mit ganz verschiedenen Rahmenbedingungen in ihren Grundschulen. Dies ist bei der Projektplanung zu berücksichtigen, um bedarfsorientierte Angebote zu schaffen, benötigt in der Abstimmung jedoch auch Raum und Zeit sowie Flexibilität. Zum anderen ist beachtenswert, dass die Prozessberatung für die einzelnen Grundschulen ein wichtiges Element ist, um die Grundschulen in ihrer ganzheitlichen Schulentwicklung zu begleiten. Jede Grundschule hat mehrere Projekte, Prozesse zu koordinieren und weiß die Unterstützung durch die Prozessberatung zu schätzen.

Letztlich tragen beide Aspekte zum Gelingen der Digitalisierung an den Grundschulen bei.

Neue Digitale Angebote in Leverkusen. 5 Fragen an Michael Wilde

Michael Wilde, Leitung Bildungsbüro Stadt Leverkusen

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Wie hat die momentane Situation Ihre (Bildungs-)Arbeit verändert?

Wir haben uns relativ schnell auf neue und andere Arbeitsformen einstellen müssen, um handlungsfähig zu bleiben. Videokonferenzen, Telefonkonferenzen, Homeoffice, Schicht-Modelle, Webinare u.ä. sind innerhalb weniger Wochen zum Arbeitsalltag geworden. Die damit verbundenen Chancen werden hoffentlich auch in einer „neuen Normalität“ eine Rolle spielen.


Hat sich die Digitalisierung beschleunigt?

Meines Erachtens ist es hier zu früh für ein abschließendes Urteil. Der Wille zur Beschleunigung ist deutlich erkennbar. Bei der Umsetzung ist mir persönlich wichtig, darauf zu achten, dass niemand zurückbleibt.


Welche neuen (digitalen) Angebote sind hinzugekommen?

In der ersten Phase des „Lockdowns“ haben wir sofort begonnen, uns nach digitalen Angeboten für Schülerinnen und Schüler sowie für Fachkräfte umzusehen, weil es für Präsenzveranstaltungen keine Möglichkeiten gab. So entstanden erste online-Formate zur MINT-Förderung, für Medienscouts und Fachkräfte-Qualifizierungen.


Wie werden die digitalen Angebote angenommen und genutzt?

Die ersten Erfahrungen sind durchweg positiv. Allerdings müssen wir jetzt in der Phase der Öffnung der verschiedenen pädagogischen Einrichtungen unter veränderten Rahmenbedingungen, darauf achten, niemanden zu überfordern.


Werden die digitalen Angebote auch weiterhin ausgebaut werden?

Ja, wir planen bereits weitere Angebote. Wir sehen aber auch, dass wir auf Dauer auf Präsenzangebote nicht verzichten können. Wir sehen auch, dass es Online-Angebote gibt, die unter normalen Voraussetzungen wieder in den Präsenz-Modus zurückkehren werden.

Junge Menschen und Digitalisierung: "Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen analogen und digitalen Lebenswelten". Interview mit Kathrin Prassel

Kathrin Prassel, Referentin für Bildungspolitik beim Landesjugendring NRW

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Welche technischen Entwicklungen beeinflussen das Zusammenleben für junge Menschen in der Stadt/im ländlichen Raum?

Für fast alle Kinder und Jugendliche gilt: es gibt keine klare Trennung mehr zwischen analogen und digitalen Lebenswelten. Was in den sozialen Medien kommuniziert wird, ist ein genau so wichtiger Teil des Alltags und der Identität, wie Verabredungen mit Freunden und Hobbies. Hier gibt es keine klare Abgrenzung. Die Lebensräume Internet, Schule oder Jugendverband sind miteinander verwoben.   

Allerdings ist für junge Menschen in der Stadt eine permanente Verknüpfung von analoger und digitaler Kommunikation selbstverständlicher als für junge Menschen auf dem Land. Letztere wünschen sich zuerst eine bessere digitale Infrastruktur in ihrem Umfeld, bevor sie sich mit „Luxusproblemen“ wie der permanenten Erreichbarkeit und Datafizierung des Alltags auseinandersetzen.

Beim flächendeckenden Zugang zu schnellem Internet ist der ländliche Raum besonders benachteiligt, was zu einer digitalen Kluft führt. Weitere Faktoren wie soziale Herkunft und Bildungshintergrund spielen eine Rolle beim ungleichen Zugang von jungen Menschen zu Informations- und Kommunikationstechnologien.


Welche Anforderungen stellt die Digitalisierung an die Bildungsangebote für junge Menschen?

Außerschulische Bildungsangebote der Jugendverbände und anderer Träger der Jugendhilfe bringen im Grunde alle Voraussetzungen mit, um neuen technischen Anforderungen zu begegnen. Sie knüpfen an den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen an und erheben diese zum Maßstab Ihrer Angebote. Wenn junge Menschen ihre Bildungsangebote selbst (mit)gestalten können, werden Fachkräfte der Jugendarbeit automatisch mit Technik und digitaler Kommunikation konfrontiert. Einige Pädagog*innen und ehrenamtlich Aktive haben selbst großen Spaß an neuen Technologien, andere fühlen sich überfordert mit deren Schnelllebigkeit und Komplexität. Hier braucht es gute Fortbildungen, um Berührungsängste zu nehmen und die innere Haltung zu überprüfen. Dabei geht es nicht darum Social Media Expert*in zu werden, sondern darum Logiken und Hintergründe neuer Entwicklungen zu verstehen. Junge Menschen werden oft als Digital Natives bezeichnet, was den Eindruck vermittelt, sie bräuchten keine Unterstützung und Begleitung in ihrem Medienverhalten. Doch Medienkompetenz zielt auch auf das Hinterfragen von Technik ab. Im Sinne einer umfassenden Lebens- und Persönlichkeitsbildung sollten Fachkräfte, Lehrer*innen und auch Eltern junge Menschen kritisch begleiten können. Das politische Ziel muss sein: Erziehung zur „Digitalen Lebenskompetenz“.


Wie können neue Medien die Partizipation und Teilhabe junger Menschen unterstützen? (gerne Beispiele aus kommunalen Bildungslandschaften)

Das Internet ist realer Lebensraum für junge Menschen. YouTube, WhatsApp oder Instagram sind zentrale Kanäle um Informationen zu erhalten, zu verbreiten und sich zu positionieren. Influencer*innen sind für Jugendliche wichtige Personen, um Inhalte zu vermitteln. Doch auch klassische Online-Medien sind nach wie vor eine Hauptquelle, um sich über aktuelles Tagesgeschehen zu informieren. Durch neue Medien ist es für junge Menschen einfacher geworden, ihre Meinung kundzutun und sich selbst politisch zu organisieren. Die Fridays For Future Bewegung dürfte aktuell das prominenteste Beispiel für eine neue Form der Selbstorganisation mithilfe von neuen Medien sein.

Jugendliche sind hochaktive Konsument*innen verschiedener Formate und dies sollte bei der Planung von Partizipationsverfahren zum Beispiel in der Kommune berücksichtigt werden.
Online-Partizipation ermöglicht andere Aspekte der Einbeziehung junger Menschen als tradierte Verfahren, die eine persönliche Präsenz verlangen.

Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch. Die Plattform jugend.beteiligen.jetzt  (www.jugend.beteiligen.jetzt/) beispielsweise gibt Anregungen, um neue Wege einzuschlagen.


Was wünschen sich junge Menschen von ihrer Stadt/ihrer Kommune in Bezug auf digitale Veränderungsprozesse?

Jugendgerechte Informationen und Zugänge zu kommunalen Freizeit- und Beratungsangeboten könnten durch eine stärkere Online-Präsenz der Kommune angestoßen werden. Dabei müssen für junge Menschen relevante Fragen wie, welche Kulturangebote gibt es vor Ort oder welche Beratungsmöglichkeiten gibt es im Bereich Übergang von Schule zu Beruf im Fokus stehen. Doch auch Themen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes wie Hilfe bei Sucht oder Mobbing sind oft nicht ausreichend bekannt und müssten besser kommuniziert werden.

Insgesamt sollten Kommunen digitale Tools nutzen, um mehr Transparenz im kommunalen Verwaltungshandeln herzustellen und junge Menschen dadurch eine bessere Teilhabe zu ermöglichen. Streaming von öffentlichen Sitzungen oder Verwaltungsprozesse ohne Behördengang online erledigen zu können ist in Estland gängige Praxis, in Deutschland jedoch eine Seltenheit. Hier braucht es eine neue Haltung und Offenheit in Bezug auf die Chancen und Vorteile der Digitalisierung.

 

"Digitalen Formate ersetzen nicht die persönliche Begegnung". Ein Erfahrungsbericht von Andrea Staudt

Andrea Staudt, Regionales Bildungsbüro Stadt Remscheid

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Ich sitze zu Hause alleine vor meinem Laptop und bin dennoch Teil eines großen Experimentierlabors: im Selbststudium teste ich die unterschiedlichsten digitalen Tools, nehme an Webinaren teil, schaue mir Erklärfilme an, teste mit Kolleg*innen, Freund*innen und Bekannten Methoden und Technik in Videokonferenzen, lese ein Buch über Online-Moderation, nehme an Telefonkonferenzen und dann auch an Video-Meetings teil. Kurzum, ich versuche mich auf ein neues, ein anderes Arbeiten einzustellen. Dabei genieße ich sehr, dass täglich zwei Stunden auf der Autobahn wegfallen, das fehlt mir nicht.

Im Team sitzen wir an fünf unterschiedlichen Orten, mit unterschiedlichen technischen Voraussetzungen. Während die Teamleitung in Windeseile lernt, was „Führen auf Distanz“ bedeutet, lernen wir alle, dass das Arbeiten an verschiedenen Orten eine transparente Arbeitsweise innerhalb des Teams erfordert. Dinge, die sonst mal eben zwischen Tür und Angel abgesprochen wurden, müssen nun auf anderem Wege geklärt werden. Dabei kann eine gut sortierte und gepflegte gemeinsame Ablage helfen, häufigere Mails, regelmäßige Telefontermine oder auch Telefonkonferenzen oder Videokonferenzen mit dem gesamten Team.

Nicht alle Kolleg*innen hatten im Homeoffice Zugriff auf ihre Mails und die gemeinsame Ablage (mittlerweile sieht das anders aus), daher haben wir Trello als kollaboratives Tool ausprobiert und treffen uns regelmäßig in Telefon- oder Videokonferenzen. Einmal in der Woche gibt es dann doch eine Teamsitzung in Präsenz im Veranstaltungsraum, mit Abstand und Maske. Denn was fehlt, ist die zufällige Begegnung auf dem Flur, in der Kaffeeküche, im Aufzug oder an der Stempeluhr; jeder Kontakt muss bewusst herbeigeführt werden.

Digitale Vernetzung

In den ersten Wochen kam ich mir fast wie eine Detektivin vor, herauszufinden, wer, wo, zu welchen Zeiten, unter welchen Bedingungen arbeitet und erreichbar ist von den Netzwerkpartnern vor Ort. Umso schöner war es, als Anfang Mai beim ersten digitalen Netzwerktreffen ein Fenster nach dem anderen aufging und die Kolleg*innen sich gegenseitig anstrahlten, froh wieder bekannte Gesichter zu sehen. Sichtbar angestrengt von den Herausforderungen, das eigene Homeoffice mit Homeschooling und Homekita der eigenen Kinder zu wuppen, tauschte man sich aus über die Frage, wie die anderen mit der aktuellen Situation umgehen.

Das Netzwerk „Bildung & Beratung in der Flüchtlingshilfe RS“ findet nun seit einigen Wochen digital statt. Bisher ist es leider nicht gelungen, alle Netzwerkpartner zu beteiligen. Nicht alle Institutionen stimmen der Nutzung von Zoom zu, andere verfügen nicht über geeignete Endgeräte mit Kameras und Mikrophonen, wieder andere haben keine Erfahrungen mit digitalen Tools und tun sich etwas schwer. Innerhalb des Netzwerks wäre es gut, sich abzustimmen, ob mit Zoom, Skype professionell oder Teams gearbeitet werden soll. So könnten/dürften alle Netzwerkmitglieder teilnehmen.

Durch individuelle Beratung konnten Berührungsängste genommen und mehr und mehr Personen digital begrüßt werden. Aufgrund fehlender Technik haben manche Personen auch ohne Kamera und Mikrophon per Telefon, ohne Bild und schriftlichen Äußerungen im Chat am Netzwerktreffen teilgenommen. Die Moderation eines Online-Meetings muss etwas anderen Anforderungen genügen und muss detaillierter vorbereitet werden. Die Kommunikationsdisziplin ist eine andere und Regeln wie Wortmeldungen per Handzeichen vor der Kamera werden vereinbart. Zustimmung kann während des Redens durch die Emojis Applaus oder Daumen hoch ausgedrückt werden. Nach ein bisschen Übung laufen die digitalen Netzwerktreffen gut, allerdings war es sicherlich hilfreich, dass sich alle Netzwerkteilnehmer*innen im Vorfeld persönlich kannten.

Neue Angebote entwickeln

Wir haben unsere Website aktualisiert mit hilfreichen Links unter dem „#Digitales Klassenzimmer“ für Lehrkräfte und Eltern, die sich von jetzt auf gleich mit dem Thema „Digitale Bildung“ auseinandersetzen müssen. Die Frequenz des Newsletters, der normalerweise monatlich erscheint, wurde auf wöchentlich erhöht, um der sich schnell ändernden Informationslage gerecht zu werden. Wir setzen uns dafür ein, dass Schüler*innen geeignete Endgeräte bekommen, um an digitalen Bildungsangeboten überhaupt teilnehmen zu können.

Ein großes Experiment wird die Durchführung der nächsten Bildungskonferenz am 09.06.2020 in digitaler Form. Wir haben versucht, die eigentlich als Präsenzveranstaltung geplante Konferenz zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in eine digitale Form zu bringen. Dabei war es uns wichtig, dass die Teilnehmer*innen nicht nur Impulsreferaten folgen können, sondern auch durch Austausch- und Beteiligungsmöglichkeiten Teil der Veranstaltung werden. Bereits jetzt können wir an der Anmeldeliste sehen, dass wir Menschen erreichen, die sicher nicht zu einer Präsenzveranstaltung nach Remscheid gekommen wären. Wir erleben aber auch, dass die Vorbereitung einer solchen Konferenz sehr viel detaillierter durchgeführt werden muss als eine Präsenzveranstaltung. Das liegt natürlich auch daran, dass solche Veranstaltungen noch neu und ungewohnt sind. Aber es müssen im Vorfeld sehr viele technische Abläufe besprochen, Möglichkeiten ausprobiert werden und Zuständigkeiten klar geregelt und beschrieben werden. Wir experimentieren weiter!

Bis wir soweit gekommen sind, war einige Vorarbeit notwendig. Einen großen Raum nehmen die Gespräche über Beschaffung, Möglichkeiten und Grenzen von Technik ein. Welche Technik und Tools haben wir zur Verfügung und wie bedient man sie und was brauchen wir eigentlich? Wir erstellen ein Anforderungsprofil für unseren IT-Service. Wir leisten Überzeugungsarbeit bei Dezernenten, wir telefonieren mit Personalrat, der Beschaffung und dem Datenschutzbeauftragten.

Digitale Formate sind kein Ersatz für persönliche Begegnung

Die digitalen Formate ersetzen nicht die persönliche Begegnung. Insbesondere bei Netzwerken und Arbeitsgruppen, die sich bereits kennen, kann eine digitale Zusammenarbeit aber gut funktionieren. Externe Referent*innen oder Gäste können einfach dazu geschaltet werden, egal von welchem Ort. Das spart Zeit und Reisekosten, senkt den Benzinverbrauch und schont das Klima. Es erspart aufwendige An- & Abreisen, Büroräume können mehrfach genutzt werden. Insbesondere für Termine, in denen es um Absprachen oder Informationsweitergabe geht, ist es sicher sinnvoll, auch in Zukunft eine digitale Form zu beizubehalten. Wenn es mehr um die Vernetzung, das soziale Kennenlernen und die Entwicklung von neuen Dingen geht, halte ich eine Präsenzveranstaltung für die geeignetere. Aber wer weiß, was sich entwickelt? Bleiben wir gespannt. Insgesamt kann man effektiver und effizienter arbeiten. Allerdings müssen dafür die technischen Voraussetzungen und die technischen Kompetenzen aller Beteiligten gegeben sein. Auch müssen gewohnte Abläufe verändert werden, das ist nicht einfach. Veränderung und Change ist nie einfach und stößt immer auf Widerstände. Insbesondere aber die Experimentierfreude, die bei vielen Kolleg*innen in den letzten Wochen zu spüren war, finde ich sehr erhaltenswert.

 

Digitales Arbeiten beim Kreis Steinfurt. Interview mit Martina Vennemeyer

Martina Vennemeyer, Leitung Bildungsbüro Kreis Steinfurt

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Im Kreis Steinfurt wurde bereits vor Corona-Zeiten eine Dienstvereinbarung zum digitalen Arbeiten in die Wege geleitet. Wie kam der Stein ins Rollen?

In den letzten Jahren haben sich die Anfragen nach mobilen und flexiblen Arbeitsmöglichkeiten aus der Belegschaft deutlich erhöht. Es ging darum, abends noch schnell etwas fertigstellen zu können, Fahrzeiten auf Dienstreisen zu nutzen, Kommunikation auch dann aufrecht zu erhalten, wenn ich selber nicht im Büro, sondern dienstlich unterwegs bin. Faktisch gab es immer mehr dieser Situationen, die zunächst unbürokratisch durch die IT gelöst und begleitet wurden. Die Zunahme des mobilen Arbeitens zeigte jedoch auch den Bedarf auf, um das, was technisch bereits machbar war, auch rechtlich-organisatorisch zu regeln. Technisch basieren die schon seit langer Zeit im Kreis Steinfurt eingerichtete alternierende Telearbeit und das mobile Arbeiten auf derselben Grundlage. So wurde die Aktualisierung und Erweiterung der Dienstvereinbarung zur Telearbeit angestoßen.

Wie funktionierte die interne Abstimmung mit den Fachbereichen insbesondere seitens der IT-Abteilung?

Die Dienstvereinbarung wurde seitens des Haupt- und Personalamtes federführend gestaltet. In der extra eingerichteten Arbeitsgruppe waren neben den IT-  und Personalfachleuten auch zwei Fachämter beteiligt. Das Schul-, Kultur- und Sportamt war durch die Amtsleitung vertreten. Ziel war es, einen Rahmen zu gestalten und gleichzeitig eine große Flexibilität in den verschiedenen Arbeitsformen zu ermöglichen, um vielen verschiedenen Arbeitssituationen und Bedarfen gerecht werden zu können.

Hat sich das Konzept in der aktuellen Situation bewährt?

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie momentan und welche Prozesse/Arbeitsweisen mussten angepasst werden?
Innerhalb weniger Tage konnte – auch durch den bereits vorhandenen Rahmen – für einen Großteil der Mitarbeitenden mobiles Arbeiten – meist in Form von Homeoffice – ermöglicht werden. Die Resonanz, die aus der Belegschaft bei der IT angekommen ist, ist ganz überwiegend positiv. Da das Bildungsbüro bereits seit einiger Zeit auf eine digitale Aktenführung umgestellt ist, war auch der Zugriff auf notwendige Unterlagen sichergestellt.  Es hat sich durch die intensive Homeoffice-Nutzung  gezeigt, dass die meisten Mitarbeitenden sich eine ausschließliche Homeoffice-Lösung nicht vorstellen können und auch aus dienstlicher Sicht gibt es Belange, die einer Vor-Ort-Präsenz bedürfen. Es geht künftig weiterhin darum, individuell und teambezogen die passende Balance herzustellen. Anforderungen wie Veranstaltungen, Servicezeiten im Kreishaus, Teambesprechungen und Vertretungssituationen sind in Einklang zu bringen mit dem Wunsch nach einer örtlich und zeitlich flexiblen Aufgabenwahrnehmung. Klar ist, dass die Zunahme von mobilen Arbeitsformen eine Herausforderung für Führungsarbeit darstellt. Um die Führungskräfte bei der neuen Aufgabe zu unterstützen, sind derzeit

Austauschformate seitens des Haupt- und Personalamtes in Planung. Ziel ist es, mobile Arbeitsformen auf allen Ebenen so umzusetzen, dass sie den dienstlichen Belangen und persönlichen Interessen der Mitarbeitenden gerecht werden. In Zeiten von Fachkräftemangel sind die Arbeitsbedingungen ein wichtiges Argument.

Haben Sie auch ganz neue Formate entwickelt?

Seitens des Kreises wird HumHub, ein mobiles internetgestütztes Tool eingesetzt, mit dem Team-Abstimmungen erleichtert werden. Auch im Bildungsbüro werden wir uns nun verstärkt mit internetbasierten Organisationsmöglichkeiten auseinandersetzen, um eine gute Kommunikation und Übersicht über Projekte etc. zu gewährleisten. Regelmäßige Teambesprechungen gehörten selbstverständlich auch schon bisher zur Arbeit des Bildungsbüros. Diese werden aber künftig noch höheren Anforderungen genügen müssen, wenn das Gespräch „zwischen Tür und Angel“ nicht mehr jeden Tag zum Arbeitsalltag dazugehört. Gerade im Bereich des Bildungsmanagements ist eine gute und intensive Kommunikation, der Austausch von Ideen und das Diskutieren über Lösungsmöglichkeiten ein wesentlicher Bestandteil der inhaltlichen Arbeit.

Gerade in der aktuellen Situation sind einfache, stabile und gut funktionierende Konferenz-Tools wesentliche Werkzeuge, um Besprechungen und Veranstaltungen zumindest auf digitaler Ebene aufrecht halten zu können. Gerade für die Netzwerkarbeit ist der Kontakt mit den Partnern ein wesentlicher Gelingensfaktor. Gleichzeitig müssen die Tools den Anforderungen des Datenschutzes gerecht werden. Open-Source-Varianten bieten in der Regel nur eingeschränkte Möglichkeiten und Qualitäten. Derzeit wird seitens der IT ein Anforderungskatalog erstellt, damit kurzfristig eine tragfähige Lösung im Kreis Steinfurt umgesetzt werden kann und auch die Durchführung größerer Veranstaltungen digital möglich wird.

Welche neuen Arbeitsformen möchten Sie langfristig beibehalten und welche Vorteile sehen Sie darin für die Arbeit im kommunalen Bildungsmanagement?

Die höhere Flexibilität, die das mobile Arbeiten für die Teammitglieder mit sich bringt, wird in Teilen auch die Arbeit im Bildungsbüro erleichtern und bereichern.

Eine Mischung aus digitalen und analogen Methoden und Möglichkeiten wird die Arbeit in einem Flächenkreis wie dem Kreis Steinfurt positiv beeinflussen. So müssen Bildungspartner für kürzere Treffen und spontane Absprachen nicht mehr weite Anfahrten auf sich nehmen. Wichtig ist, die Beziehungsarbeit gut zu gestalten, da der Erfolg von Netzwerkarbeit insbesondere auch auf dem Aufbau guter Beziehungen der Bildungspartner untereinander besteht. Daher muss neben der fachlichen auch die persönliche Ebene gut im Blick behalten werden. 

Digitalisierungstrategien von Kommunen

Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben hier insbesondere drei Strategien gewählt, den Herausforderungen zu begegnen:

Anregungen für den öffentlichen Diskurs – Bildungskonferenzen, Fachtage und Workshops zum Themenfeld Digitalisierungen mit der Zielsetzung, den öffentlichen Diskurs anzuregen, Themen aufzugreifen und gute Beispiele in der Region sichtbar zu machen. „Digitalisierung und Bildung in den NRW-Kommunen“

Entwicklung einer Gesamtstrategie und Koordinierung der Prozesse – Digitalisierung als Handlungsfeld für das Kommunale Bildungsmanagement in und mit den Gremien abstimmen, mit dem Ziel, ein gemeinsames strategisches Vorgehen partizipativ zu planen und umzusetzen. Beispiele:

Kreis Minden-Lübbecke (Charta der Digitalisierung)

Kreis Coesfeld (Orientierungsrahmen Lernen im digitalen Wandel)

Aufbau von Vernetzungs- und Unterstützungsstrukturen für die Akteure vor Ort – Förderung und Initiierung von Projekten mit Bildungsakteuren in der Region unter Einbezug bestehender Strukturen und zivilgesellschaftlicher Partner. Beispiele:

Kreis Paderborn (Delbrücker und Hövelhofer Schulen digital)

Kreis Gütersloh (Projekt Schule und digitale Bildung)