Lerncluster Städte und Kreise: Digitaler Wandel und Bildung

Digitalisierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, davon ist Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves von der Universität Siegen überzeugt. Niehaves hat mit seinem Team eine Studie zu "Digitalisierungsstrategien für Kommunen" veröffentlicht, aus der er beim Lerncluster berichtete. Das Thema Digitalisierung sei für die Kommunen ein wichtiges Thema. Besonders wichtig für einen geligenden Digitalisierungsprozess sind für ihn Kompetenzen sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aber auch die ressortübergreifende Zusammenarbeit und die Kooperation mit unterschiedlichen Akteuren von trage maßgeblich zum Erfolg bei. Niehaves betonte, dass Digitalisierung bedeuten müsse, nicht nur Dinge anders, digital zu machen, sondern sie müsse einen Mehrwert für die Menschen haben. In der Studie wurde Bildung als zweitwichtigstes Handlungsfeld beim Thema Digitalisierung in Kommunen identifziert. Niehaves sieht darin ein große Chance für die Bildungsakteure und ermutigt, Idee zu entwickeln und diese auch als Expertinnen und Experten aus ihrem Bereich zu äußern.

Birgit Giering von den Medienberatung NRW schloss in ihrem Vortrag daran an: Man könne Digitalisierung kritische sehen, es ändere aber nichts daran, dass sie komme. Sie berichtete, wie Digitalisierung das Lernen unterstützen kann, wo die Grenzen sind und nannte Beispiele zum Einsatz von Social Media. Darüber hinaus erklärte sie, welche Angebote und Hilfen die Medienberatung bietet.

Im Anschluss an die Inputs hatten die Kommunen Gelegenheit, sich über die eigenen kommunalen Digitalisierungsstrategien auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln.

Download Plakat "Digitalisierung und Bildung in den Kommunen"
 

Drei Fragen zum Thema Digitalisierung und Bildung in der Kommune an:

Martina Vennemeyer (Leitung Bildungsbüro Kreis Steinfurt)

Gibt es eine Digitalisierungsstrategie in Ihrer Kommune?

Digitalisierung wird bei uns im Kreis Steinfurt immer als Querschnittsthema mitgedacht. Wir sind derzeit dabei, ein neues Leitbild zu entwickeln, worin sich das Thema Digitalisierung ebenfalls wiederfindet. Dabei werden die Ziele des Leitbildes künftig eng mit den Haushaltzielen verknüpft sein. Das Thema Digitalisierung bietet aber auch immer wieder Kooperationsmöglichkeiten mit externen Partnern wie den Kommunen oder den Schulen und der Medienberatung.

Befassen Sie sich momentan mit dem Thema Digitalisierung im Bildungsmanagement und wenn ja, in welchen Bereichen?

Im Regionalen Bildungsnetzwerk ist Digitalisierung ein Schwerpunktthema. Wir bereiten gerade einen Workshop für den Lenkungskreis zum Thema “Was bedeutet Digitalisierung für die Arbeit als koordinierende Stelle und welche Rolle kann das Regionale Bildungsnetzwerk dabei spielen?” vor. Außerdem befassen sich zahlreiche Projekte mit dem Thema Digitalisierung. So gibt es beispielsweise Austauschformate für die Schulträger oder im Bereich des Bildungsmonitoring eine Analyse der Schülerströme und im Herbst wird der Bildungsbericht erscheinen. Wie man diese Daten noch anders als in einem Bildungsbericht darstellen kann, überlegen wir momentan; sie könnten beispielsweise auf einer neuen Homepage veröffentlicht werden.

Was sind Ihre nächsten Schritte/Ideen nach diesem Lerncluster?

Inspirierend fand ich eine Darstellung im Vortrag von Prof. Dr. Dr. Niehaves zum Thema „Vom exponentiellem Wachstum und falschen Zukunftserwartungen“, in der eine Kurve das exponentielle Wachstum der Digitalisierung sowie die überhöhten Erwartungen durch Marketing zeigte. Diese Grafik möchte ich für den Workshop für den Lenkungskreis nutzen und versuchen, Mut zu machen, um positiv in die digitale Zukunft zu blicken.

 

Bernd Nückel (Fachdienstleiter Schulaufsicht, Medienzentrum, Regionales Bildungsnetzwerk, Hochsauerlandkreis)

Gibt es eine Digitalisierungsstrategie in Ihrer Kommune?

Ja, es gibt eine Digitalisierungsstrategie für den Hochsauerlandkreis. Allerdings handelt es sich dabei um eine Fachstrategie zum E-Government und betrifft nur die interne Verwaltung.

Daneben spielt das Thema "Digitalisierung" allerdings im Rahmen der Regionale Südwestfalen 2025 eine große Rolle. Südwestfalen hat es sich zur Aufgabe gesetzt, Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um die Herausforderungen einer ländlichen Region anzugehen und nachhaltige Zukunftsgestaltung zu betreiben. Dies geschieht in den drei Arbeitsfeldern "Raum", "Gesellschaft", "Wirtschaft und Arbeit" und beinhaltet auch den Themenbereich "Digitale Bildung".

Befassen Sie sich momentan mit dem Thema Digitalisierung im Bildungsmanagement und wenn ja, in welchen Bereichen?

Das Thema "Digitalisierung" im weitesten Sinne spielt im Regionalen Bildungsnetzwerk Hochsauerlandkreis schon seit etwa 2015 eine Rolle. Seitdem koordinieren das Regionale Bildungsbüro und das Medienzentrum des Hochsauerlandkreises die Qualifizierung der Medienscouts. Im Jahr 2017 veranstalteten wir in Koopereation mit dem Medienzentrum und dem Kompetenzteam im Schulamt für den HSK den ersten Regionaltag Medienbildung mit einer Vorstellung des neuen Medienkompetenzrahmens NRW und diversen Workshops für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen rund um das Thema "Digitale Medien im Unterricht".

Im März 2018 haben wir die zweite Ausgabe des "Bildungsmagazin HSK" zum Themenbereich "Bildung in der digitalen Welt" herausgegeben.

Download als PDF unter: http://www.hochsauerlandkreis.de/buergerservice/schule_bildung/bildungsnetzwerk/Bildungsmagazin-neu.php?ajaxsearch=1

Aktuell plant das Regionale Bildungsbüro in Kooperation mit dem Medienzentrum für den Herbst 2019 die #ITWeeksHSK19, Workshopwochen für die Grundschulen im Hochsauerlandkreis mit einem vielfältigen Workshopangebot an jeweils fünf Nachmittagen.

Das eigenständige Bildungsbüro der Stadt Arnsberg hat darüber hinaus im November 2018 eine große Bildungskonferenz zum Thema "Bildung im digitalen Zeitalter" veranstaltet und eine Qualifizierungsreihe für Lehrkräfte der Arnsberger Schulen zum Thema "Digitaler Unterricht" mit Basis- und Aufbauschulungen aufgelegt, die erfolgreich angelaufen ist.

Was sind Ihre Ideen/nächsten Schritte nach diesem Lerncluster?

Mir hat die Idee eines "Netzwerk Medien" aus dem Kreis Warendorf sehr gut gefallen. Ich trage den Gedanken an ein solches Netzwerk auf Kreisebene auch schon seit einiger Zeit mir mir herum. Ich denke, dass wir dieses Thema aufgreifen werden, um auch im Hochsauerlandkreis ein solches Netzwerk aufzubauen. Vernetzung maßgeblicher regionaler Akteure im Bildungsbereich ist ja eine wesentliche Aufgabenstellung der Regionalen Bildungsnetzwerke.

Manuela Demant (Bildungsmanagerin bei der Stadt Krefeld)

Gibt es eine Digitalisierungsstrategie in Ihrer Kommune?

Ja, die gibt es. Neben verschiedensten E-Government-Projekten und der Optimierung sowie Weiterentwicklung von Verwaltungsprozessen existiert auch ein Entwicklungsplan für die Informations- und Kommunikationstechnik, der jährlich fortgeschrieben wird.

Handlungsfelder für die „Digitale Verwaltung“ sind hier:
•        Kundenorientierung
•        Partizipation/ Bürgerbeteiligung
•        Moderne, zukunftsorientierte Arbeitgeberin
•        Förderung des Wirtschaftsstandortes
•        Familien- und Bildungsförderung, Integration.


Befassen Sie sich momentan mit dem Thema Digitalisierung im Bildungsmanagement und wenn ja, in welchen Bereichen?

Im Fachbereich Schule, Pädagogischer und Psychologischer Dienst, in dem auch das Regionale Bildungsbüro beheimatet ist, wird das Thema derzeit hauptsächlich im Zentrum für digitale Lernwelten in Kooperation mit dem Kompetenzteam und den Medienberater*innen verfolgt. Dabei geht es um Fragen der Ausstattung und die Begleitung der Schulen in der Unterrichtsgestaltung. Schwerpunkte sind hier die Umsetzung des Medienkompetenzrahmens, die Implementierung des kommunalen Medienentwicklungsplans sowie die infrastrukturelle Weiterentwicklung.


Was sind Ihre Ideen/nächsten Schritte nach diesem Lerncluster?

Die nächsten Schritte sind die Anknüpfung des Regionalen Bildungsbüros an das Zentrum für digitale Lernwelten. Hierbei geht es einerseits um inhaltliche Visionsentwicklung, Infrastrukturanpassungen sowie um die Aufgaben- und Rollenklärung der verschiedenen Akteur*innen. Oberstes Ziel dabei ist eine optimale und kohärent abgestimmte Unterstützung der Schulen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung, um allen Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an der digital geprägten Lebens- und Arbeitswelt zu ermöglichen.