Digitalen Wandel an Schulen gestalten

Digitalisierung

Die Transferagentur NRW sprach mit Norbert Kreutzmann, Leiter des Bildungsbüros des Kreises Gütersloh, zu dem Kooperationsprojekt „Schule und digitale Bildung im Kreis Gütersloh“.

Herr Kreutzmann, im Kreis Gütersloh ist ein breit angelegter Prozess im Gange, der Schulen dabei unterstützen soll, den digitalen Wandel zu bewältigen. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Prozess?

Das Kooperationsprojekt „Schule und digitale Bildung im Kreis Gütersloh“ verfolgt das Ziel, in der Projektlaufzeit allen Schulen sowie den kommunalen und privaten Trägern im Kreis Gütersloh ein Unterstützungsangebot für ihren digitalen Wandel  bereitzustellen. Damit soll einerseits die Qualität des Unterrichts und der schulischen Arbeit weiterentwickelt und anderseits die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen in einer zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt gewährleistet werden. Konkret bedeutet das, dass Kinder und Jugendliche lernen, kritisch, mündig und reflektiert mit digitalen Medien umzugehen und diese auch für ihren Kompetenzerwerb beispielweise in den Fächern nutzen können. 

Wie viele Schulen und Schulträger beteiligen sich inzwischen an dem Projekt und welche Faktoren haben Ihrer Meinung nach primär zu dieser breiten Beteiligung beigetragen?

Zurzeit beteiligen sich etwa 100 Schulen und alle 17 Schulträger an dem Projekt. Das entspricht jeweils einer Teilnahmebereitschaft größer 90 Prozent. Möglicherweise ist die Beteiligung deshalb so hoch, weil das Projekt insbesondere dabei unterstützt, den Status quo zu analysieren und Ziele für die Entwicklungen abzustimmen, den Dialog über die Grenzen innerer und äußerer Schulangelegenheiten hinweg zu fördern sowie verlässliche Strukturen in diesem komplexen Prozess sicherzustellen. Dabei spielen sicherlich die installierten kommunalen Runden Tische, bei denen sich die jeweils verantwortlichen Entscheider auf Augenhöhe austauschen und vereinbaren, eine wesentliche Rolle. Zudem werden die an den Bedarfen ausgerichteten Angebote zur Qualifizierung von Schulen und Schulträgern sehr intensiv angenommen.

Können Sie uns an einem konkreten Beispiel erläutern, was eine Schule davon hat, wenn sie sich an diesem Prozess beteiligt?

Die Schulen melden uns bislang gleich mehrere Vorteile zurück. Die beim ersten Schulbesuch eingesetzte Matrix zur Analyse des Ist-Zustandes der Schule initiiert bereits erste schulinterne Prozessschritte. Die modularen Qualifizierungen für die Schulleitungen und für die Medienkonzeptentwicklungsgruppen unterstützen die schulische Steuerungsebene und somit den komplexen Veränderungsprozess und die Schulentwicklung. Die dabei stattfindende Vernetzung und der Austausch zwischen den Schulen werden ebenfalls als hilfreich empfunden. Die Möglichkeit innerhalb der kommunalen Runden Tische ein gemeinsames Verständnis für die Entwicklungs- und Arbeitsprozesse zu schaffen, transparent zu machen bzw. sich zu gemeinsamen Fragestellungen abzustimmen und mit dem Träger abzusichern, nehmen die Schulen offensichtlich als notwendigen Vorteil wahr.

Außer den Schulen und Schulträgern sind natürlich weitere Partner beteiligt. Wer arbeitet sonst noch mit?

Bei dem Projekt „Schule und digitale Bildung“ handelt es sich um eine Kooperation innerhalb der Bildungsregion Kreis Gütersloh (verantwortet durch das Land, den Kreis Gütersloh und die Bezirksregierung Detmold). Es kooperieren das Bildungsbüro Kreis Gütersloh, zwei regionale Stiftungen sowie weitere Bildungsakteure der Region. Zu Letzteren zählen beispielsweise die Schulaufsichten, das für Lehrerfortbildung zuständige Kompetenzteam, die Medienberater*innen, die Schulpsychologie, die DAPF Dortmund, verschiedene Universitäten aber natürlich auch Schüler-, Eltern- und Lehrkräftevertreter*innen.

Um einen komplexen Arbeitsprozess mit so vielen Beteiligten in Gang zu setzen und am Laufen zu halten sind nach unserer Einschätzung vor allem zwei Faktoren entscheidend: ein breites und ernsthaftes Commitment zu Beginn und eine zuverlässige Organisationseinheit, die den Prozess voranbringt und am Leben hält. Wie ist es bei Ihnen gelungen, diese beiden Voraussetzungen zu schaffen?

Bereits bei der Konzeptionierung des Projektes war den Kooperationspartnern wichtig, dass das Projekt an die Gremien- und Steuerungsstruktur der Bildungsregion Kreis Gütersloh und somit an das ‚Joint Venture‘ von Land und Kommune im Sinne einer staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft eingebunden wird. Im Bildungsbüro wurde  gleichzeitig die Digitale Bildung als Handlungsfeld aufgebaut. Die das Projekt betreffenden strategischen Entscheidungen werden vom Lenkungskreis getroffen. Auf der operativen Ebene wurde als Organisationseinheit das  „Zentrum für digitale Bildung und Schule im Kreis Gütersloh gGmbH“ eingerichtet. In diesem Zentrum arbeiten die Vertreterinnen und Vertreter aller Kooperationspartner Hand in Hand zusammen. Zugleich ist dadurch sichergestellt, dass alle Maßnahmen für die Schulen und die Schulträger/Kommunen transparent sind und in Abstimmung mit den bestehenden Unterstützungsstrukturen sowie den landesseitigen Entwicklungen und Vorgaben erfolgen.

Wenn Sie jetzt mal in die Zukunft blicken: Was müsste mit dem Projekt erreicht werden, damit Sie sagen könnten: die Arbeit hat sich gelohnt, wir haben unser wichtigstes Ziel erreicht?

Die Arbeit hat sich meines Erachtens bereits jetzt gelohnt. Vieles ist auf verschiedenen Ebenen angeregt und gemeinsam auf den Weg gebracht. Es ist eine deutliche Aufbruchstimmung zu spüren und erste Prozessschritte verstetigen sich. Die Kooperation und der Dialog sind gewünscht und werden zukünftig vielleicht auch in anderen Themenfeldern angewendet.

Zurzeit entwickeln wir mit unterschiedlichen Partnern der Bildungsregion ein Angebot zur Unterrichtsentwicklung und eine Qualifizierung für die Schulträger. Dadurch sollen die Schulen, neben weiteren Angeboten in der Region, eine zusätzliche Unterstützung zur Weiterentwicklung der Qualität des Unterrichts und der schulischen Arbeit erhalten.

Sollte das Projekt mit den verschiedensten Unterstützungsangeboten einen Beitrag dazu leisten, dass die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen in einer zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt besser gewährleistet ist, so wäre das Ziel unseres Projekts erreicht.

www.digitale-schule-gt.de

Foto: Homepage www.digitale-schule-gt.de