Blick zurück: Prognosen im Lerncluster Bildungsmonitoring

Prognosen waren Thema des digitalen Lernclusters Bildungsmonitoring der Transferagentur NRW am 25. Juni 2020. Eine kontinuierlich durchgeführte und in das Bildungsmonitoring eingebettete Berechnung möglicher künftiger Szenarien kann wichtige steuerungsrelevante Informationen für das Bildungsmanagement liefern. Im Lerncluster stellten zunächst Meral Thoms und Daniel Königs von IT.NRW die „Gemeindemodellrechnung“ für Bevölkerungsvorausrechnungen vor. Anschließend wurden zwei Praxisbeispiele aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis und dem Kreis Unna vorgestellt, die jeweils spezifische Vorgehensweisen und Berechnungsbeispiele auf Kreisebene sowie den Nutzen für das Bildungsmonitoring verdeutlichen konnten. Methodische Grundlage der eigenen Vorausrechnungen war dabei die Handreichung der Transferinitiative „Bildungsvorausrechnungen auf kommunaler Ebene“ (2017). Welchen Mehrwert Prognosen für das Bildungsmonitoring und Bildungsmanagement haben können verdeutlichen die beiden Referenten Emanuel Hartkopf (Ennepe-Ruhr-Kreis) und Jan Grau (Kreis Unna) noch einmal im Kurzinterview:

Welchen konkreten Nutzen hat die Erstellung eigener Vorausrechnungen für das Bildungsmonitoring und das Bildungsmanagement im Kreis?

Grau/Hartkopf: Der konkrete Nutzen ergibt sich besonders aus den Erkenntnissen über mögliche zukünftige Entwicklungen verschiedener Bildungsbereiche im Kreis, die für die Bildungsplanung äußerst interessant sind. Sie liefern Bildungsmonitoring und Bildungsmanagement einen Ausblick, wie sich die verschiedenen kommunalen Bildungsbereiche entwickeln könnten. Die Berechnung verschiedener Szenarien und die Anwendung verschieden Methoden kann dabei einen plausiblen Entwicklungskorridor aufzeigen.

Was gilt es aus Ihrer Sicht – methodisch/allgemein– zu beachten, bei der Berechnung und Darstellung von Prognosen? (z.B. auch Aufwand/Zeit)

Hartkopf: Abhängig von der gewählten Methode und der Anzahl an berechneten Szenarien variiert der Aufwand für Vorausrechnungen sehr. Wer das erste Mal eigene Prognosen berechnen möchte, sollte sich genügend Zeit für die Einarbeitung nehmen, damit die verschiedenen Methoden nicht nur bekannt sind, sondern auch Vor- und Nachteile verschiedener Vorgehensweisen gegenüber oder nebeneinander gestellt werden können.

Die adressatengerechte Vermittlung der Ergebnisse und die offene Kommunikation über Methoden, Einflussfaktoren und Restriktionen sind bei der Berechnung von Prognosen, wie auch sonst bei der Arbeit mit Daten, äußerst wichtig. Die statistischen Kenntnisse der Adressat*innen sind unterschiedlich stark ausgeprägt, sodass eine verständliche Darstellung und Interpretation der Ergebnisse ein Schlüssel für den Erkenntnisgewinn und den Nutzen von Vorausrechnungen sind. Diese Transparenz hilft dabei zu verhindern, dass es zu Fehlinterpretationen seitens der Adressaten kommt.

Bietet sich auch für Politik und Verwaltung ein konkreter Nutzen ab? Welche Reaktionen gab es?

Grau/Hartkopf: Die Reaktionen von Politik und Verwaltung auf die Vorausrechnungen waren durchweg positiv. Von beiden Gruppierungen wird erwartet, vorausschauende Entscheidungen für die Planung und Steuerung von Kommunen zu treffen. Dabei können Vorausrechnungen eine enorme Hilfe sein und die Akteure bei ihren Entscheidungen unterstützen.

Was wären konkrete erste Schritte, wenn ich als Bildungsmonitorer*in Prognosen in das Bildungsmonitoring einbetten möchte?

Grau: Die Handreichung „Bildungsvorausrechnungen auf kommunaler Ebene“ der Transferinitiative ist ein guter Start, um sich mit den verschiedenen Methoden von Bildungsvorausrechnungen und möglichen Datengrundlagen vertraut zu machen. Dort werden die Methoden ausführlich erläutert und Beispielrechnungen anschaulich dargestellt. Auch Hinweise zur Interpretation von Vorausrechnungen und der adressatengerechten Vermittlung werden gegeben.

Handreichung Bildungsvorausrechnungen auf kommunaler Ebene

Das Gespräch führten Dr. Rabea Pfeifer und Dr. Mario Roland, Transferagentur NRW, mit Jan Grau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Bildung integriert“ im Kreis Unna & Emanuel Hartkopf, zuständig für Bildungsmonitoring und Bildungsberichterstattung im Ennepe-Ruhr-Kreis, Abteilung Bildung und Integration.